In einem historischen Ballsaal einer ehemaligen Mailänder Textilfabrik, entstand mit Exodus eine Installation, die gewebte Böden in lebendige Landschaften verwandelte. In Zusammenarbeit mit JoAnn Tan und Luca Nichetto bot Exodus einen Raum, in dem Materialien ihre Grenzen überschritten und Fantasie plötzlich greifbar wurde.
Wer den Saal betrat, spürte sofort eine Veränderung in der Atmosphäre – als würde die Luft selbst eine Geschichte erzählen. Die gewebten Oberflächen pulsierten, schimmerten und formten eigenwillige Wesen: eine schlangenartige Kreatur wuchs wie aus dem Boden hervor, während vogelhafte Wesen mit schwebenden Flügeln leise etwas zu flüstern schienen.
JoAnn Tan und Luca Nichetto brachten dabei ihre ganz eigenen Welten ein: Tan, bekannt für ihre fantasievollen räumlichen Inszenierungen, die Mode, Objekt und Bühne miteinander verweben; Nichetto, ein Designer, der Formen Geschichten entlockt und Atmosphären mit feinem Gespür entstehen lässt. In Exodus fanden ihre Ansätze zusammen – zwei Handschriften, die sich nicht überlagerten, sondern ein gemeinsames Echo bildeten.
Seit Generationen steht Bolon für die Neuerfindung des Gewebten. Was einst mit der Idee begann, aus Restmaterialien etwas Wertvolles zu schaffen, hat sich zu einer Sprache entwickelt, die Räume verwandelt. Exodus war dafür ein eindrucksvoll poetisches Beispiel: ein Moment, in dem Handwerk, Fantasie und Inszenierung ineinandergreifen.
Exodus deutete an, dass Design mehr sein kann als reine Form und Funktion. Für einen Moment entstand ein Zwischenraum aus Wirklichkeit und Vorstellung. Die Bolon Böden wirkten wie kleine Landschaften, die Materialien wie Figuren, und der Raum erzählte leise eine sich wandelnde Geschichte.
Fotos: Max Rommel